Warum sich Feedback an manchen Tagen anders anfühlt

Manchmal trifft uns Feedback härter als erwartet. Liegt es wirklich am Feedback – oder an uns? Sara geht der Frage nach, warum wir an manchen Tagen empfindlicher reagieren als an anderen.

Vor Kurzem hat mich Feedback ungewöhnlich hart getroffen. So sehr, dass ich kurz dachte: „Wow, ich mache wirklich alles falsch.“ Im Nachhinein habe ich gemerkt: Die Situation war vielleicht gar nicht das eigentliche Problem.

Ich hatte ein neues Video für unser Social-Media-Format vorbereitet. Ein Thema, in das viel Arbeit geflossen war, über das ich mir Gedanken gemacht hatte und bei dem ich ehrlich gesagt auch ein bisschen stolz auf das Ergebnis war. Dann kam das Feedback meiner Kollegin.

Objektiv betrachtet: konstruktiv, nachvollziehbar und fair. Es ging um fachliche Präzision, um die Wirkung nach außen und darum, die eigentliche Botschaft noch stärker herauszuarbeiten. Und trotzdem fühlte es sich in dem Moment nicht so an. Plötzlich war da dieses Gefühl von: „Okay… vielleicht war das einfach nicht gut genug.“ oder: „Ich mache alles falsch.“

Aus konstruktivem Feedback wurde in meinem Kopf Kritik. Aus einzelnen Verbesserungsvorschlägen ein Gefühl, versagt zu haben. Mein Freund kam nach Hause, fand mich heulend vor und hat die Welt nicht mehr verstanden. Als er mir dann erklären wollte, dass die Nachricht gar nicht böse gemeint war, wurde ich noch emotionaler — weil er sich nicht auf „meine Seite“ stellte.

Am nächsten Tag, nachdem ich mich gesammelt hatte und ein Gespräch mit meinen Kollegen hatte, wurde mir klar: Das eigentliche Problem war vielleicht gar nicht das Feedback selbst. Denn rückblickend war die Nachricht weder unfair noch übermäßig kritisch. Im Gegenteil: Sie war wertschätzend formuliert und hatte ein klares Ziel — etwas besser zu machen.

Die spannendere Frage war also: Warum hat es sich für mich in diesem Moment so anders angefühlt?

Über Feedbackkultur sprechen wir im Arbeitskontext viel. Wie formuliert man Kritik wertschätzend? Wie schafft man psychologische Sicherheit? Wie entwickelt man sich als Team weiter? Worüber wir deutlich seltener sprechen: Warum nehmen wir Feedback an manchen Tagen völlig anders wahr als an anderen?

Und genau hier wird es spannend. Denn unsere Wahrnehmung wird von mehr beeinflusst, als uns im Arbeitsalltag oft bewusst ist. Von Stress, Schlaf, mentaler Belastung — und bei vielen Frauen auch von einem Faktor, der im Berufsleben erstaunlich selten thematisiert wird: dem Zyklus.

Vorab: Wie funktioniert der weibliche Zyklus?

Der weibliche Zyklus ist ein wiederkehrender hormoneller Prozess, der den Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet. Obwohl oft von einem 28-Tage-Zyklus gesprochen wird, sind auch kürzere oder längere Verläufe völlig normal. Grundsätzlich lässt er sich in vier Phasen einteilen:

1. Menstruationsphase
Der Zyklus beginnt mit der Periode. In dieser Zeit wird die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen, weil keine Schwangerschaft eingetreten ist.

2. Follikelphase
Wir blühen wieder auf! Der Körper bereitet eine neue Eizelle auf den Eisprung vor und baut gleichzeitig die Gebärmutterschleimhaut erneut auf. Das Östrogen steigt — was perfekt zum Abarbeiten von To-Do-Listen ist.

3. Eisprung (Ovulationsphase)
Der Höhepunkt des Östrogens. Lieben wir! Wir fühlen uns toll! Etwa in der Mitte des Zyklus wird eine reife Eizelle freigesetzt. In dieser Phase ist die Fruchtbarkeit am höchsten. Manche Frauen bemerken körperliche Veränderungen, andere nehmen den Eisprung kaum wahr.

4. Lutealphase
Mögen wir nicht! Nach dem Eisprung bereitet sich der Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Progesteron steigt, Östrogen fällt. Es können prämenstruelle Beschwerden (PMS) auftreten: Müdigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder Stimmungsschwankungen. Alles ist blöd! Bleibt eine Schwangerschaft aus, beginnt der Zyklus erneut mit der Periode.

Dreimal dürft ihr nun raten, in welcher Zyklusphase ich mich befand. Zurück also zu der Frage, warum ich nach dem Feedback so reagiert und so aufgelöst war.

Was die Wissenschaft dazu sagt …

Dass sich Stimmung, Belastbarkeit oder die Wahrnehmung von Situationen im Verlauf des Zyklus verändern können, ist nicht nur subjektives Empfinden. Es lässt sich zeigen, dass hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus Einfluss auf verschiedene Prozesse im Gehirn haben können.

Insbesondere stehen hormonelle Veränderungen mit Prozessen in Verbindung, die Einfluss auf Emotionen, Stressverarbeitung, Konzentration und Entscheidungsfindung haben können. Dadurch kann es vorkommen, dass dieselbe Situation — sei es Stress, ein Konflikt oder Feedback — je nach Zyklusphase sehr unterschiedlich wahrgenommen wird.

Es deutet vieles darauf hin, dass viele PMS-Beschwerden nicht durch einen Mangel oder Überschuss einzelner Hormone entstehen. Stattdessen scheint entscheidend zu sein, wie empfindlich das Gehirn auf hormonelle Veränderungen reagiert. Dabei werden unter anderem Abbauprodukte des Hormons Progesteron diskutiert, die Einfluss auf die Verarbeitung von Emotionen und Stress haben können.

Vor allem in der Zeit vor der Menstruation berichten viele Frauen von Veränderungen wie größerer emotionaler Sensibilität, Reizbarkeit, Müdigkeit oder einer geringeren Stressresistenz. Das bedeutet jedoch nicht, dass Gefühle „unbegründet“ oder Reaktionen irrational sind. Vielmehr zeigt sich, dass biologische Prozesse beeinflussen können, wie intensiv wir bestimmte Situationen erleben und verarbeiten.

Wichtig ist dabei: Nicht jede Frau erlebt ihren Zyklus gleich. Während manche kaum Veränderungen bemerken, nehmen andere deutliche Unterschiede in Stimmung, Energie oder Konzentration wahr. Der Zyklus ist daher kein allgemeingültiger Erklärungsansatz, aber ein Faktor, der im Arbeitsalltag oft übersehen wird.

Gerade in Gesprächen über Feedback, Zusammenarbeit und mentale Belastung könnte es hilfreich sein, diese Einflüsse zumindest mitzudenken — um sich selbst besser zu verstehen.

Mein größtes Learning aus dieser Situation?

Manchmal fühlt sich etwas viel größer an, als es objektiv vielleicht ist. Mir hat das vor allem gezeigt, wie sehr unsere Wahrnehmung schwanken kann — je nachdem, wie viel Stress wir haben, wie gut wir geschlafen haben, was mental gerade los ist, oder eben auch, wo wir uns zyklusbedingt befinden.

Im Arbeitsalltag sprechen wir oft darüber, wie gutes Feedback formuliert sein sollte. Vielleicht lohnt es sich genauso, sich selbst zu fragen: Wie nehme ich Feedback gerade eigentlich auf?

Denn wir reagieren nicht jeden Tag gleich. Und vielleicht hilft genau dieses Bewusstsein manchmal dabei, Situationen fairer einzuordnen — gegenüber anderen, aber auch gegenüber uns selbst.

Für mich hat die Situation rückblickend etwas Gutes gehabt: Ich habe nicht nur etwas über Feedback gelernt, sondern auch über mich selbst. Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Erkenntnis — sich manchmal einen Moment Zeit zu geben, bevor man aus einem Gefühl direkt eine Wahrheit macht.

— Sara

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